Gläsern im Netz – Teil 1: Weg mit WhatsApp

Ich weiß noch, als Mitte der achtziger Jahre ein Aufschrei durch die Bevölkerung ging, weil die Bundesregierung eine Volkszählung durchführen wollte. Die Daten, die dort erhoben wurden, empfanden viele als viel zu privat und etliche weigerten sich strikt, selbst unter Androhung einer Haftstrafe, Daten über sich dem Staat preiszugeben.
Heute, etwa 30 Jahre später, gehen viele Menschen mit ihren Daten deutlich weniger vorsichtig um. Das Internet weiß mehr über uns, als der Staat vor 30 Jahren. Jede Suchanfrage, die ich bei Google eingeben, jeder Kommentar, den ich bei Facebook veröffentliche, jeder Post in einem Blog sowie diesem hier, sagt etwas über mich aus und macht mich nachverfolgbar.
Heute habe ich bei Google nach einem Videoschnittprogramm gesucht und dann bei Amazon verschiedene dieser Programme aufgerufen. Wen wundert es da, dass bei meinem nächsten Facebook Besuch plötzlich Amazon Anzeigen genau dieser Programme auftauchten, nach denen ich wenige Minuten vorher noch gesucht hatte.
Das Einzige, was einen da noch beruhigen könnte, ist vielleicht die Tatsache, dass sogar dann, wenn ich dieses Programm gekauft habe, es mir nachher noch bei Facebook als Werbung angezeigt wird. Soweit bin ich also noch nicht gläsern geworden. Und doch muss man sich fragen, darf das sein?
Lange Zeit habe ich dieses Problem für mich persönlich ignoriert. Es war zu angenehm, einfach bei Google alle Mails zu speichern, die mir irgendjemand zugeschickt hat. So kann ich Jahre später noch feststellen, wer mir was wann geschickt hat. Ich muss diese Mails nicht herunterladen, ich habe sie immer griffbereit im Netz. Und auch, wenn ich nie ein Freund von WhatsApp war und mich schon nach Alternativen umschaute, als der Messenger von Facebook übernommen wurde, habe ich letztendlich doch den konsequent abschließenden Schritt, zu sagen: »Dass will ich nicht mehr«, lange Zeit nicht getan.
Immerhin hatte ich bei WhatsApp über 130 Kontakte, darauf wollte ich nicht verzichten. Die neuen allgemeinen Geschäftsbedingungen von WhatsApp haben mich aber dann doch eines Besseren belehrt. Und als ich schon einmal dabei war, über meine Daten im Internet nachzudenken, und mich zu fragen, ob es gut ist, dass so viel über mich bekannt ist (wenn auch nur dem amerikanischen Geheimdienst), habe ich nicht nur einen Ersatz für WhatsApp gesucht, sondern auch für viele andere Programme, die ich bisher täglich im Netz genutzt habe. Heute und in den kommenden Tagen möchte ich einige dieser Programme genauer vorstellen.

Wie ich bereits schrieb, waren die neuen allgemeinen Geschäftsbedingungen von WhatsApp der Grund, mich nach Alternativen umzuschauen. Ich hatte bereits seit zwei Jahren Threema genutzt. Doch dieses Programm kostet Geld und ich musste leider feststellen, dass die Mehrheit meiner Kontakte nicht gewillt war, für Datenschutz und Sicherheit im Netz Geld auszugeben. Somit blieb ich mit Threema ziemlich allein. Darum war die nächste Alternative, das Programm Telegramm. Es bietet im Prinzip alles das, was WhatsApp auch bietet, ich kann jedoch relativ sicher sein, dass meine Daten nicht irgendwann bei Facebook oder Google landen.

Der Vorteil von Telegram ist, dass dieses Programm wirklich für so ziemlich jedes System verfügbar ist, egal ob ich ein Android Telefon habe oder ein iPhone. Ich brauche überhaupt kein mobiles Gerät, ich kann es auch direkt von meinem Windows Desktop aus chatten. Anders als bei WhatsApp, muss Telegramm auch nicht ständig eine Internetverbindung über das Telefon haben. Auch wenn das Telefon nicht im Netz eingeloggt ist, kann ich von Windows aus Chats führen. Ansonsten bietet Telegramm, bis auf die Telefoniefunktion, alles das, was ich von WhatsApp gewöhnt war. Im Prinzip ist es WhatsApp statt in Grün nun in Blau.
Schon wenige Tage, nachdem ich WhatsApp für immer Lebewohl gesagt hatte, hatten sich etliche meiner Bekannten und Freunde bei Telegramm angemeldet. Und die Kommentare der meisten Umsteiger waren durchaus positiv, meistens positiv überrascht denn viele konnten sich nicht vorstellen, dass es etwas gleichwertiges wie WhatsApp gibt.
Wie wäre es, mach doch auch ein Versuch, und probiere Telegramm aus?

https://telegram.org/

https://threema.ch/de

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