Computerhilfen Teil 1: TTS-Software

Ich kann mich noch an eine Zeit zurückerinnern, als die Arbeit mit Computern in vielen Fällen nicht deutlich schneller zu erledigen war, als ohne sie. Ich habe vor vielen Jahren einmal Buchhändler gelernt, zu einer Zeit, als man die Suche nach Büchern noch mittels eines Katalogs betrieb und nicht einfach nur ein Suchwort in einer Eingabemaske am PC ein gab. Damals tauchten jedoch die ersten Computernachschlagewerke auf. Das VLB, das Verzeichnis lieferbarer Bücher gab es an dann als 5-bändigen Katalog und als CD-ROM. Doch wer geübt in seinem Beruf war, konnte mit einem herkömmlichen Katalog deutlich schneller zum Ziel kommen als durch die Eingabe des Suchworts im PC. Ich bin gar nicht sicher, ob es heute in Buchhandlungen und Büchereien überhaupt noch Nachschlagewerke in Buchform gibt. Schließlich ist der Computer inzwischen erheblich schneller und wahrscheinlich auch einfacher zu bedienen als der Papierkatalog.
Ähnlich verhält es sich mit einigen anderen Techniken, die vor 20 oder 30 Jahren noch belächelt wurden, heute aber inzwischen so ausgereift sind, dass man sie regelmäßig einsetzen könnte.
Ich möchte heute und in Zukunft einige dieser Techniken vorstellen, dies das Leben am und mit dem Computer erleichtern. Anfangen wollen wir mit Software, die im Allgemeinen als TTS-Software bezeichnet wird, wobei die drei Buchstaben für die englischen Begriffe »Text to Speach«, also »Text in Sprache« stehen. Im Prinzip geht es darum, dass diese Software geschriebenen Text vorliest. Nicht nur für Menschen mit einer Sehbehinderung ist ein solches System interessant. Auch wer viel am PC arbeitet, entspannt sicherlich gerne mal seine Augen.
Vor 20 Jahren gab es das zwar auch schon, die Aussprache war jedoch mehr als mäßig und man konnte sofort erkennen, dass hier kein richtiger Mensch mit einem sprach, sondern dass es sich um eine computergenerierte Stimme handelte. Im Prinzip stammt die Stimme auch heute noch aus dem Computer, die Technik, die dahinter steht, hat sich jedoch deutlich verbessert. So gibt es heute verschiedene Anbieter, die hochqualitative Stimmen anbieten, die zwar in Betonung und Aussprache noch nicht gänzlich menschlich klingen, die aber schon ein relativ entspanntes Hören ermöglichen.
Zudem haben wir uns heute ja auch schon daran gewöhnt, mit Computern zu sprechen. Wir sprechen mit Siri, Alexa oder unserem Android als würden sie zur Familie gehören.
Inzwischen gibt es eine entsprechende Software für beinahe jedes Betriebssystem, egal, ob ich ein Smartphone von Apple benutze oder eines mit Android Betriebssystem, ich habe sofort eine entsprechende Stimme in mein System integriert. Je nach Betriebssystem gibt es neben der Standardstimme auch noch weitere Stimmen zur Auswahl. Das gleiche gilt für Microsoft Windows. Auch hier stehen verschiedene Stimmen zur Verfügung und dies nicht nur in Deutsch, sondern auch in englischer Sprache.
Der Nachteil an all diesen vorinstallierten Stimmen ist, dass sie im noch nicht so gut klingen, wie es technisch machbar wäre. Wer hochqualitative Stimmen sucht, ist darum gezwungen, sich eine professionelle Software zuzulegen. Ich möchte an dieser Stelle zwei unterschiedliche Ansätze professioneller Stimmen vorstellen.
Zunächst einmal gibt es die Software Voice Reader Home 15. Dieses System von der Firma Linguatec ist ein in sich abgeschlossenes System mit einer Software, in die man Texte eingeben oder laden kann und die diese dann ausgibt. Ausgegeben wird in der Stimme, die man sich jeweils im Rahmen der Software gekauft hat. Leider muss man hier jede Stimme einzeln bezahlen, im Falle von Voice Reader Home wieder mit jeweils rund 50 €. Word Dateien oder auch in epub-Dateien lassen sich so sehr einfach in MP3 Files konvertieren. Wer diese MP3 Dateien jedoch dann weiter verteilen möchte, zum Beispiel im Rahmen von Projektdokumentationen, Hörbüchern oder Seminarunterlagen, der muss schon zu etwas teureren Version greifen für etwa 500 € bekommt man die professionelle Ausgabe mit der man dann auch Dateien erstellen kann, die zur Weitergabe gedacht sind.
Eine weitere Möglichkeit, sich geschriebene Texte vorlesen zu lassen, besteht darin, sich im Internet ein Sprachmodul zu kaufen und dieses dann zusammen mit einer kompatiblen Software einzusetzen. Während man beim Voice Reader beides in einem hat, kann man im Internet auch Stimmen einzeln erwerben, die dann mit jeder beliebigen Software, die Sprachsynthese unterstützt, eingesetzt werden können.
Ein Beispiel hierfür sind die Stimmen der Firma CereProc. Neben einer hochqualitativen deutschen Männer Stimme und einer Frauenstimme hält die Firma noch zahlreiche Stimmen in anderen Sprachen vor, dazu zählt zum Beispiel Englisch in verschiedenen Variationen, Portugiesisch, Spanisch, Französisch oder Schwedisch. Jede Stimme kostet rund 30 €. Dabei ist allerdings dann keine Software, die diese Stimme auch abspielen kann, vielmehr muss die Windows eigene Software bzw. ein entsprechendes Abspielprogramm genutzt werden.
Als Abspielprogramm bietet sich die Freeware Balabolka an. Mit ihr lassen sich verschiedene Dokumenttypen öffnen und wahlweise als Wave oder MP3 Datei, auf Wunsch auch gesplittet, abspeichern. Dazu kann die Software jede in Windows installierte Stimme einsetzen. Eine Ausnahme bestätigt natürlich die Regel. Die im Rahmen einer Voice Reader Home Lizenz erworbene Stimme wird hier nicht angezeigt. Sie ist ausschließlich über die Voice Reader Software nutzbar. Wer also ein möglichst offenes System wünscht, sollte Stimme und Software getrennt voneinander kaufen bzw. installieren. Die Kombination von Balabolka und einer CereProc Stimme ist zudem deutlich billiger, als die Voice Reader Home Variante. Allerdings muss man dann auch einen etwas höheren Aufwand betreiben, um die Stimme und die Abspielsoftware einzeln zu installieren. Beides ging im Test hier auf meinem System jedoch problemlos und dauerte nur wenige Minuten.
Welche der beiden Softwarevarianten einem besser gefällt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Einen guten Überblick über diese und viele weitere andere deutsche Sprachausgaben gibt es auf der folgenden Seite.

http://ttssamples.syntheticspeech.de/deutsch/

Weitere Infos über den Voice Reader findet ihr unter: https://www.linguatec.de

Und die Kombination von CereProc-Stimme und Balabolka erhält man über die folgenden beiden Links:

http://www.cross-plus-a.com/de/balabolka.htm
https://www.cereproc.com/de

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Stichheiler – Das Richtige für Freibäder?

In einer der Facebookgruppen für Schwimmmeister und Fachangestellte wurde jüngst darüber diskutiert, ob der sogenannte »Stichheiler« in die erste Hilfe Ausstattung eines Hallen- oder Freibades gehört. Auf meiner privaten Blogseite habe ich schon vor über einem Jahr kurz über den Stichheiler berichtet.
Die Frage, die in den Facebookgruppen rege diskutiert wurde, war, ob man den Stichheiler bei Insektenstichen an einem Badegast anwenden darf. Bevor wir uns dieser Frage genauer widmen, zunächst etwas zur Funktionsweise des Sticks.
Es handelt sich dabei um ein Medizinprodukt, jedoch nicht um ein Medikament. Das Wirkprinzip ist relativ einfach. Durch konzentrierte Wärmeeinwirkung auf die Stichstelle wird dafür gesorgt, dass der Juckreiz aufhört. Der Hersteller selbst schreibt auf seiner Seite, dass durch die konzentrierte Wärmeeinwirkung verschiedene Signalwege und somit Immun- und Entzündungsreaktion beeinflusst werden. Andernorts kann man lesen, dass durch die Wärmeeinwirkung die von den Insekten in die Wunde eingebrachte gerinnungshemmenden Stoffe durch die Wärmeeinwirkung so verändert werden, dass kein Juckreiz mehr entsteht.
Und nun kommen wir zum Haken an der ganzen Geschichte, um diesen Effekt zu erreichen, ist es notwendig, dass die Spitze des Stichheilers auf etwas über 50° erhitzt wird, und diese Temperatur dann über drei bzw. sechs Sekunden gehalten wird. Auch wenn man davon ausgeht, dass der Kaffee, den wir morgens trinken, üblicherweise wärmer als 50° ist, empfinden dennoch viele Menschen diese Hitze als unangenehm, ja sogar schmerzhaft. Wer jedoch diese 6 Sekunden durchhält, wird mit ziemlicher Sicherheit keinen Juckreiz mehr verspüren. Ich selbst habe den Stichheiler nun im zweiten Jahr getestet, und kann sagen, dass ich seitdem nie wieder juckende Mückenstiche verspürt habe. In der Regel reicht eine einmalige Anwendung aus, und der Juckreiz ist völlig verschwunden.
An dieser Stelle stellt man sich nur die Frage, warum es überhaupt Diskussion darüber gibt, ob der Stichheiler in Freibädern eingesetzt werden sollte. Die Antwort darauf ist ziemlich einfach: Die Tatsache, einem fremden Menschen eine zwar kleine, aber über 50° heiße Keramikplatte auf die Haut zu drücken, grenzt im Prinzip schon an Körperverletzung. Deswegen gibt der Hersteller auf seiner Seite auch an, dass der Stichheiler ausschließlich zur Selbstanwendung gedacht ist.
Darüber hinaus ist der Stichheiler, auch wenn es für Kinder extra die Drei-Sekunden- Schaltung gibt, nicht für Kinder unter dem zwölften Lebensjahr geeignet. Ansonsten ist er aber universal anwendbar. Weder für Schwangere noch für Allergiker besteht demnach ein Risiko, anders als es zum Beispiel bei der Anwendung von diversen Medikamenten für Mückenstiche angezeigt ist.
Während also Medikamente, selbst dann wenn sie zur Selbstanwendung vorgehalten werden, in einem Notfallrucksack nicht zu suchen haben, kann der Stichheiler durchaus als eine besondere Serviceleistung gesehen werden. Kinder unter zwölf Jahren sollten jedoch damit nicht behandelt werden und auch Kinder über zwölf Jahren und Erwachsene sollten ausschließlich zur Selbstanwendung Gebrauch vom Stichheiler machen.
Kaufen kann man den Stichheiler für rund 25 € entweder direkt beim Hersteller, in Apotheken, bei der DLRG Materialstelle und im Rahmen von Sonderaktionen zum Beispiel auch bei Rossmann.

Habt ihr schon Erfahrungen mit diesem Produkt gemacht? Ich bin gespannt auf eure Reaktion.